Lager gehören zu den wichtigsten Bauteilen in Maschinen, Fahrzeugen und technischen Anlagen. Sie ermöglichen kontrollierte Drehbewegungen, reduzieren Reibung und unterstützen Wellen bei unterschiedlichen Belastungen. Damit ein Lager zuverlässig funktioniert, müssen seine Abmessungen exakt zur Welle, zum Gehäuse und zur vorgesehenen Anwendung passen.
Bei der Auswahl eines Lagers spielen mehrere Maße eine Rolle. Besonders wichtig sind Bohrungsdurchmesser, Außendurchmesser und Lagerbreite. Je nach Lagertyp können außerdem Bauform, Tragfähigkeit, Dichtungen, Käfigausführung und Drehzahlgrenzen entscheidend sein.
Eine Lagergrößentabelle erleichtert den ersten Vergleich verschiedener Abmessungen. Sie zeigt typische Größen und hilft dabei, die passende Baugröße schneller einzugrenzen. Die konkrete Auswahl sollte jedoch immer anhand der technischen Daten des jeweiligen Lagers erfolgen.
Welche Maße hat ein Lager?
Die Grundabmessungen eines Lagers lassen sich bei vielen Wälzlagern auf drei zentrale Werte reduzieren.
Bohrungsdurchmesser
Der Bohrungsdurchmesser beschreibt die Öffnung in der Mitte des Lagers. Er muss zur Welle passen, auf der das Lager montiert wird.
Bei vielen standardisierten Wälzlagern wird der Bohrungsdurchmesser in Millimetern angegeben. Bei bestimmten Lagerreihen existieren jedoch auch andere Bezeichnungssysteme.
Außendurchmesser
Der Außendurchmesser beschreibt die äußere Größe des Lagerrings. Er ist besonders wichtig für die Aufnahme in einem Lagergehäuse oder einer entsprechenden Konstruktion.
Lagerbreite
Die Breite gibt an, wie breit das Lager in axialer Richtung ist. Sie beeinflusst den benötigten Einbauraum und kann sich je nach Lagerreihe unterscheiden.
Lagergrößentabelle mit typischen Standardmaßen
Die folgende Übersicht zeigt beispielhafte Größen gängiger radialer Rillenkugellager. Die Werte dienen zur Orientierung; für eine konkrete Bestellung sollte immer die technische Herstellerangabe der jeweiligen Lagerbezeichnung verwendet werden.
| Bohrung | Außendurchmesser | Breite | Typischer Lagerbereich |
|---|---|---|---|
| 10 mm | 30 mm | 9 mm | Kleine Maschinen |
| 12 mm | 32 mm | 10 mm | Kleine Antriebe |
| 15 mm | 35 mm | 11 mm | Mechanische Geräte |
| 17 mm | 40 mm | 12 mm | Motoren und Maschinen |
| 20 mm | 47 mm | 14 mm | Antriebe und Anlagen |
| 25 mm | 52 mm | 15 mm | Maschinenbau |
| 30 mm | 62 mm | 16 mm | Größere Wellen |
| 35 mm | 72 mm | 17 mm | Industrielle Anwendungen |
| 40 mm | 80 mm | 18 mm | Maschinen und Antriebe |
| 45 mm | 85 mm | 19 mm | Technische Anlagen |
| 50 mm | 90 mm | 20 mm | Größere Maschinen |
| 60 mm | 110 mm | 22 mm | Industrieanwendungen |
Die Tabelle stellt eine Auswahl typischer Abmessungen dar und ist nicht als vollständige Normtabelle zu verstehen.
Wie werden Lagergrößen angegeben?
Lager besitzen häufig eine bestimmte Lagerbezeichnung, die Informationen über Bauform und Größe enthält. Bei vielen standardisierten Kugellagern besteht die Bezeichnung aus einer Kombination aus Zahlen und gegebenenfalls Buchstaben.
Die Bezeichnung kann beispielsweise auf eine bestimmte Lagerreihe und Bohrungsgröße hinweisen.
Was sagt die Lagerbezeichnung aus?
Die einzelnen Bestandteile können je nach Hersteller und Lagerfamilie unterschiedliche Bedeutungen haben. Häufig werden damit unter anderem folgende Eigenschaften gekennzeichnet:
- Lagertyp
- Lagerreihe
- Bohrungsgröße
- Dichtung
- Sicherungsring
- Käfigausführung
- interne Lagerluft
- Sonderausführung
Deshalb sollte eine Lagerbezeichnung nicht isoliert interpretiert werden. Für eine sichere Identifikation ist das Datenblatt des jeweiligen Herstellers maßgeblich.
Bohrungsdurchmesser richtig verstehen
Der Bohrungsdurchmesser ist bei der Lagerauswahl besonders wichtig, weil das Lager direkt mit der Welle verbunden wird.
Eine zu kleine Lagerbohrung passt nicht auf die Welle. Eine deutlich zu große Bohrung kann dagegen zu einem unerwünschten Sitz führen, wenn keine entsprechende Konstruktion vorgesehen ist.
Warum ist die Wellenabmessung entscheidend?
Schon kleine Abweichungen können bei bestimmten Anwendungen relevant sein. Neben dem nominalen Durchmesser müssen auch Toleranzen, Passungen, Temperaturbedingungen und die Art der Belastung berücksichtigt werden.
Bei einer Reparatur ist es deshalb sinnvoll, zunächst die vorhandene Welle zu vermessen und anschließend das passende Lager anhand der technischen Daten auszuwählen.
Außendurchmesser und Gehäuseabmessungen
Der Außendurchmesser des Lagers muss zur vorgesehenen Aufnahme passen.
Bei einem Lager mit zu großem Außendurchmesser kann die Montage nicht möglich sein. Ein zu kleines Lager kann dagegen nicht ausreichend im vorgesehenen Sitz gehalten werden, sofern keine entsprechende Konstruktion vorhanden ist.
Für die Auswahl sollten deshalb nicht nur die Lagermaße, sondern auch die Abmessungen des Lagergehäuses überprüft werden.
Warum die Lagerbreite wichtig ist
Die Lagerbreite wird manchmal weniger beachtet als Bohrungs- und Außendurchmesser. Für die Konstruktion ist sie jedoch ebenfalls wichtig.
Ein breiteres Lager kann mehr axialen Bauraum benötigen. Außerdem können sich Lagerreihen bei gleicher Bohrung und ähnlichem Außendurchmesser hinsichtlich ihrer Breite und Belastbarkeit unterscheiden.
Vor der Montage sollte daher geprüft werden, ob ausreichend axialer Platz vorhanden ist.
Lagergrößen nach Lagertyp
Nicht jedes Lager hat dieselbe Bauform. Die Abmessungen und Einsatzmöglichkeiten unterscheiden sich je nach Konstruktion.
Rillenkugellager
Rillenkugellager gehören zu den am häufigsten verwendeten Wälzlagern. Sie eignen sich für zahlreiche Anwendungen und können je nach Ausführung radiale sowie begrenzte axiale Belastungen aufnehmen.
Schrägkugellager
Schrägkugellager sind für Anwendungen interessant, bei denen neben radialen auch axiale Kräfte wirken. Ihre genaue Auslegung hängt unter anderem von Belastung und Einbausituation ab.
Zylinderrollenlager
Zylinderrollenlager besitzen eine größere Kontaktfläche zwischen Wälzkörpern und Laufbahnen. Sie werden häufig für höhere radiale Belastungen eingesetzt.
Kegelrollenlager
Kegelrollenlager können radiale und axiale Kräfte aufnehmen. Sie werden beispielsweise in bestimmten Fahrzeug- und Maschinenbauanwendungen verwendet.
Nadellager
Nadellager besitzen relativ dünne, lange Wälzkörper. Sie können interessant sein, wenn bei einer Konstruktion wenig radialer Bauraum zur Verfügung steht.
Lager mit Dichtung und ohne Dichtung
Neben den Grundmaßen spielt auch die Ausführung des Lagers eine Rolle.
Offene Lager
Offene Lager besitzen keine integrierte Dichtung. Sie können für bestimmte geschützte oder entsprechend geschmierte Anwendungen verwendet werden.
Abgedichtete Lager
Abgedichtete Lager besitzen Dichtelemente, die das Eindringen von Schmutz und das Austreten von Schmierstoff begrenzen können.
Je nach Konstruktion und Hersteller gibt es unterschiedliche Dichtungsvarianten. Die genaue Bezeichnung sollte daher immer überprüft werden.
Mehr hilfreiche Größentabellen ansehen
Lagergrößen und Belastbarkeit
Die äußeren Abmessungen eines Lagers sagen allein noch nicht aus, welche Belastung es aufnehmen kann.
Zwei Lager mit ähnlichen Abmessungen können sich hinsichtlich ihrer Tragfähigkeit, Drehzahl, Lagerluft und Lebensdauer deutlich unterscheiden.
Bei der Auswahl sollten daher mindestens folgende Faktoren betrachtet werden:
- radiale Belastung
- axiale Belastung
- Drehzahl
- Betriebsdauer
- Temperatur
- Schmierung
- Umgebung
- Stoßbelastungen
- erforderliche Lebensdauer
Für eine technische Auslegung reicht eine reine Größentabelle daher nicht aus.
Welche Lagergröße brauche ich?
Die passende Lagergröße wird normalerweise anhand der vorhandenen oder geplanten Konstruktion bestimmt.
Schritt 1: Welle messen
Messen Sie den Durchmesser der Welle an der vorgesehenen Lagerstelle möglichst präzise.
Schritt 2: Gehäuse prüfen
Ermitteln Sie den verfügbaren Durchmesser und die Einbautiefe der Lageraufnahme.
Schritt 3: Lagerbreite bestimmen
Prüfen Sie, wie viel axialer Bauraum zur Verfügung steht.
Schritt 4: Belastung berücksichtigen
Bestimmen Sie, welche radialen und axialen Kräfte auf das Lager wirken.
Schritt 5: Drehzahl prüfen
Die geplante Drehzahl muss innerhalb des geeigneten Betriebsbereichs des Lagers liegen.
Schritt 6: Umgebungsbedingungen beachten
Staub, Feuchtigkeit, hohe Temperaturen, Chemikalien oder andere Einflüsse können die geeignete Lagerausführung beeinflussen.
Mehr hilfreiche Größentabellen ansehen
Lagergröße anhand eines vorhandenen Lagers bestimmen
Wenn ein vorhandenes Lager ersetzt werden soll, kann die Kennzeichnung auf dem Lagerring sehr hilfreich sein.
Ist die Bezeichnung nicht mehr lesbar, können die drei Grundmaße gemessen werden:
- Bohrungsdurchmesser
- Außendurchmesser
- Breite
Anschließend kann die Kombination mit den technischen Lagerdaten verglichen werden.
Warum reicht das Messen allein manchmal nicht aus?
Mehrere Lager können ähnliche Grundabmessungen besitzen, aber unterschiedliche Konstruktionen oder Belastungseigenschaften aufweisen.
Deshalb sollten zusätzlich Lagerart, Dichtung, Lagerluft und gegebenenfalls weitere Kennzeichnungen geprüft werden.
Lagerpassungen und Toleranzen
Ein Lager wird nicht einfach nur anhand seines Nenndurchmessers montiert. Die Verbindung zwischen Lager, Welle und Gehäuse wird durch geeignete Passungen und Toleranzen bestimmt.
Je nach Belastung und Konstruktion kann ein Innen- oder Außenring unterschiedlich fest sitzen.
Warum sind Passungen wichtig?
Eine ungeeignete Passung kann beispielsweise zu Relativbewegungen, Geräuschen, erhöhtem Verschleiß oder einer unerwünschten Belastung des Lagers führen.
Die konkrete Passung sollte deshalb anhand der Anwendung und der technischen Vorgaben des Lagerherstellers beziehungsweise der Konstruktion festgelegt werden.
Mehr hilfreiche Größentabellen ansehen
Lagergrößen für verschiedene Anwendungen
Lager werden in sehr unterschiedlichen Bereichen eingesetzt.
Elektromotoren
In Elektromotoren müssen Lager unter anderem zur Welle, Drehzahl, Belastung und Einbausituation passen.
Fahrzeuge
Bei Fahrzeugen kommen je nach Baugruppe unterschiedliche Lagerkonstruktionen zum Einsatz. Hier können neben der Größe auch hohe Belastungen, Temperatur und Dichtungsanforderungen wichtig sein.
Fördertechnik
Förderanlagen benötigen Lager, die für die jeweiligen radialen und axialen Kräfte sowie die Betriebsbedingungen geeignet sind.
Maschinenbau
Im allgemeinen Maschinenbau werden Lager für Wellen, Rollen, Getriebe, Antriebe und zahlreiche weitere bewegliche Komponenten eingesetzt.
Häufige Fehler bei der Lagerauswahl
Bei der Auswahl eines Ersatzlagers können einige typische Fehler auftreten.
- Nur den Bohrungsdurchmesser vergleichen
- Außendurchmesser nicht prüfen
- Lagerbreite übersehen
- Lagertyp verwechseln
- Dichtungsausführung ignorieren
- Drehzahl nicht berücksichtigen
- Belastung nicht prüfen
- Lagerluft nicht beachten
- Passung nicht kontrollieren
- ausschließlich nach dem Preis auswählen
Besonders bei Maschinen mit hohen Drehzahlen oder Belastungen kann eine scheinbar passende Größe technisch ungeeignet sein.
Lagergrößentabelle richtig verwenden
Eine Lagergrößentabelle sollte zunächst dazu dienen, die passende Baugröße einzugrenzen.
Für eine zuverlässige Auswahl gehen Sie am besten in dieser Reihenfolge vor:
- Wellenbohrung bestimmen
- verfügbaren Außendurchmesser prüfen
- Einbaubreite messen
- Lagertyp bestimmen
- Belastungen prüfen
- Drehzahl berücksichtigen
- Dichtung und Lagerausführung auswählen
- technische Herstellerdaten vergleichen
So vermeiden Sie, ein Lager allein anhand einer einzelnen Maßangabe auszuwählen.
FAQ zur Lagergrößentabelle
Welche Maße sind bei einem Lager wichtig?
Die wichtigsten Grundmaße sind Bohrungsdurchmesser, Außendurchmesser und Lagerbreite. Je nach Anwendung können zusätzlich Tragfähigkeit, Drehzahl, Dichtung, Lagerluft und Bauform entscheidend sein.
Wie misst man die Größe eines Lagers?
Ein Lager wird normalerweise anhand von Bohrungsdurchmesser, Außendurchmesser und Breite bestimmt. Ein Messschieber eignet sich für viele Messungen. Zusätzlich sollte eine vorhandene Kennzeichnung auf dem Lagerring geprüft werden.
Ist jedes Lager mit gleichem Durchmesser austauschbar?
Nein. Auch wenn zwei Lager ähnliche Grundabmessungen besitzen, können sie sich hinsichtlich Bauform, Tragfähigkeit, Dichtung, Lagerluft oder Drehzahl unterscheiden. Die technischen Eigenschaften müssen deshalb ebenfalls übereinstimmen.
Was bedeutet die Lagerbohrung?
Die Lagerbohrung ist die Öffnung im Innenring des Lagers. Sie bestimmt, für welchen Wellendurchmesser das Lager grundsätzlich vorgesehen ist. Für die tatsächliche Montage sind zusätzlich Passung und Toleranzen relevant.
Warum gibt es unterschiedliche Lagerbreiten?
Lager mit ähnlicher Bohrung und ähnlichem Außendurchmesser können unterschiedliche Breiten besitzen. Dadurch entstehen verschiedene Lagerreihen mit unterschiedlichen Eigenschaften und Einbausituationen.
Kann man ein Lager nur anhand seiner Maße auswählen?
Für eine einfache Identifikation können die Maße sehr hilfreich sein. Für eine technische Auswahl reichen sie jedoch nicht immer aus. Belastung, Drehzahl, Temperatur, Schmierung, Dichtung und Einsatzumgebung müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
Fazit: Lagergrößen richtig bestimmen
Eine Lagergrößentabelle ist ein hilfreiches Werkzeug, um verschiedene Baugrößen schnell miteinander zu vergleichen. Die wichtigsten Grundmaße sind Bohrungsdurchmesser, Außendurchmesser und Breite.
Für einen einfachen Lageraustausch sollten diese drei Maße möglichst genau bestimmt und mit der vorhandenen Lagerbezeichnung abgeglichen werden. Bei anspruchsvolleren Anwendungen müssen zusätzlich Belastung, Drehzahl, Temperatur, Schmierung, Dichtung und Passung berücksichtigt werden.
Wer ein Lager nicht nur nach dem Durchmesser, sondern nach der vollständigen technischen Anwendung auswählt, kann Fehlmontagen vermeiden und eine zuverlässige Funktion der Maschine unterstützen.